0.312.11
AS 2015 3825; BBl 2014 2045
Übersetzung
Angenommen in Kampala am 11. Juni 20101
Von der Bundesversammlung genehmigt am 20. März 20152
Ratifikationsurkunde durch die Schweiz hinterlegt am 10. September 2015
In Kraft getreten für die Schweiz am 10. September 2016
(Stand am 3. Oktober 2025)
1 Resolution RC/Res.6; siehe Verwahrernotifikation C.N.651.2010 Treaties-8 vom 29. November 2010, verfügbar unter: http://treaties.un.org .
2 Art. 1 Abs. 1 Bst. a des BB vom 20. März 2015 (AS 2015 3823).
Die Überprüfungskonferenz,
unter Hinweis auf Artikel 12 Absatz 1 des Römer Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs vom 17. Juli 19983 (Statut),
unter Hinweis auf Artikel 5 Absatz 2 des Statuts,
ausserdem unter Hinweis auf Ziffer 7 der Resolution F, die am 17. Juli 1998 von der Diplomatischen Bevollmächtigtenkonferenz der Vereinten Nationen zur Errichtung eines Internationalen Strafgerichtshofs angenommen wurde,
ferner unter Hinweis auf die Resolution ICC-ASP/1/Res.1 über die Kontinuität der Arbeiten zum Verbrechen der Aggression und mit dem Ausdruck ihres Dankes an die Sonderarbeitsgruppe zum Verbrechen der Aggression für die Ausarbeitung von Vorschlägen für eine Bestimmung über das Verbrechen der Aggression,
Kenntnis nehmend von der Resolution ICC-ASP/8/Res.6, mit der die Versammlung der Vertragsstaaten der Überprüfungskonferenz Vorschläge für eine Bestimmung über das Verbrechen der Aggression zur Behandlung übermittelte,
entschlossen, die Gerichtsbarkeit des Gerichtshofs über das Verbrechen der Aggression möglichst bald zu aktivieren,
1. beschliesst, im Einklang mit Artikel 5 Absatz 2 des Statuts die in Anhang I dieser Resolution enthaltenen Änderungen des Statuts anzunehmen, die der Ratifikation oder Annahme bedürfen und die gemäss Artikel 121 Absatz 5 in Kraft treten, und stellt fest, dass jeder Vertragsstaat vor der Ratifikation oder Annahme eine Erklärung nach Artikel 15bis hinterlegen kann;
2. beschliesst ausserdem, die in Anhang II4 dieser Resolution enthaltenen Änderungen der «Verbrechenselemente» anzunehmen;
3. beschliesst ausserdem, die in Anhang III5 dieser Resolution enthaltenen vereinbarten Auslegungen betreffend die genannten Änderungen anzunehmen;
4. beschliesst ferner, die Änderungen in Bezug auf das Verbrechen der Aggression sieben Jahre nach Beginn der Ausübung der Gerichtsbarkeit durch den Gerichtshof zu überprüfen;
5. fordert alle Vertragsstaaten auf, die in Anhang I enthaltenen Änderungen zu ratifizieren oder anzunehmen.
4 Anhang II wird in der AS nicht publiziert. Der Text ist in seinen Originalsprachen zugänglich unter: www.icc-cpi.int > Français > Assemblée des Etats Parties > Résolutions > Conférence de révision > RC/Res.6.
5 Anhang III wird in der AS nicht publiziert. Der Text ist in seinen Originalsprachen zugänglich unter: www.icc-cpi.int > Français > Assemblée des Etats Parties > Résolutions > Conférence de révision > RC/Res.6.
1. Im Sinne dieses Statuts bedeutet «Verbrechen der Aggression» die Planung, Vorbereitung, Einleitung oder Ausführung einer Angriffshandlung, die ihrer Art, ihrer Schwere und ihrem Umfang nach eine offenkundige Verletzung der Charta der Vereinten Nationen vom 26. Juni 19456 darstellt, durch eine Person, die tatsächlich in der Lage ist, das politische oder militärische Handeln eines Staates zu kontrollieren oder zu lenken.
2. Im Sinne des Absatzes 1 bedeutet «Angriffshandlung» die gegen die Souveränität, die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit der Charta der Vereinten Nationen unvereinbare Anwendung von Waffengewalt durch einen anderen Staat. Unabhängig von dem Vorliegen einer Kriegserklärung gilt in Übereinstimmung mit der Resolution 3314 (XXIX) der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 14. Dezember 1974 jede der folgenden Handlungen als Angriffshandlung:
1. Der Gerichtshof kann vorbehaltlich dieses Artikels seine Gerichtsbarkeit über das Verbrechen der Aggression in Übereinstimmung mit Artikel 13 Buchstaben a und c ausüben.
2. Der Gerichtshof kann seine Gerichtsbarkeit nur über Verbrechen der Aggression ausüben, die ein Jahr nach Ratifikation oder Annahme der Änderungen durch 30 Vertragsstaaten begangen werden.
3. Der Gerichtshof übt seine Gerichtsbarkeit über das Verbrechen der Aggression in Übereinstimmung mit diesem Artikel vorbehaltlich eines Beschlusses aus, der nach dem 1. Januar 2017 mit derselben Mehrheit von Vertragsstaaten zu fassen ist, wie sie für die Annahme einer Änderung des Statuts erforderlich ist.
4. Der Gerichtshof kann in Übereinstimmung mit Artikel 12 seine Gerichtsbarkeit über ein Verbrechen der Aggression ausüben, das sich aus einer Angriffshandlung eines Vertragsstaats ergibt, es sei denn, dieser Vertragsstaat hat zuvor durch Hinterlegung einer Erklärung beim Kanzler bekanntgegeben, dass er diese Gerichtsbarkeit nicht anerkennt. Die Rücknahme dieser Erklärung kann jederzeit erfolgen und wird von dem Vertragsstaat innerhalb von drei Jahren geprüft.
5. Hinsichtlich eines Staates, der nicht Vertragspartei dieses Statuts ist, übt der Gerichtshof seine Gerichtsbarkeit über das Verbrechen der Aggression nicht aus, wenn das Verbrechen von Staatsangehörigen des betreffenden Staates oder in dessen Hoheitsgebiet begangen wurde.
6. Gelangt der Ankläger zu dem Schluss, dass eine hinreichende Grundlage für die Aufnahme von Ermittlungen in Bezug auf ein Verbrechen der Aggression besteht, vergewissert er sich zunächst, ob der Sicherheitsrat festgestellt hat, dass der betreffende Staat eine Angriffshandlung begangen hat. Der Ankläger benachrichtigt den Generalsekretär der Vereinten Nationen über die beim Gerichtshof anhängige Situation unter Einschluss sachdienlicher Informationen und Unterlagen.
7. Hat der Sicherheitsrat eine entsprechende Feststellung getroffen, so kann der Ankläger die Ermittlungen in Bezug auf ein Verbrechen der Aggression aufnehmen.
8. Wird innerhalb von sechs Monaten nach dem Zeitpunkt der Benachrichtigung keine entsprechende Feststellung getroffen, so kann der Ankläger die Ermittlungen in Bezug auf ein Verbrechen der Aggression aufnehmen, sofern die Vorverfahrensabteilung nach dem in Artikel 15 vorgesehenen Verfahren die Genehmigung zur Einleitung der Ermittlungen in Bezug auf ein Verbrechen der Aggression erteilt und der Sicherheitsrat nicht einen anderweitigen Beschluss nach Artikel 16 gefasst hat.
9. Die Feststellung einer Angriffshandlung durch ein Organ ausserhalb des Gerichtshofs berührt nicht die eigenen Erkenntnisse des Gerichtshofs nach diesem Statut.
10. Dieser Artikel lässt die Bestimmungen über die Ausübung der Gerichtsbarkeit über die anderen in Artikel 5 bezeichneten Verbrechen unberührt.
1. Der Gerichtshof kann vorbehaltlich dieses Artikels seine Gerichtsbarkeit über das Verbrechen der Aggression in Übereinstimmung mit Artikel 13 Buchstabe b ausüben.
2. Der Gerichtshof kann seine Gerichtsbarkeit nur über Verbrechen der Aggression ausüben, die ein Jahr nach Ratifikation oder Annahme der Änderungen durch 30 Vertragsstaaten begangen werden.
3. Der Gerichtshof übt seine Gerichtsbarkeit über das Verbrechen der Aggression in Übereinstimmung mit diesem Artikel vorbehaltlich eines Beschlusses aus, der nach dem 1. Januar 2017 mit derselben Mehrheit von Vertragsstaaten zu fassen ist, wie sie für die Annahme einer Änderung des Statuts erforderlich ist.
4. Die Feststellung einer Angriffshandlung durch ein Organ ausserhalb des Gerichtshofs berührt nicht die eigenen Erkenntnisse des Gerichtshofs nach diesem Statut.
5. Dieser Artikel lässt die Bestimmungen über die Ausübung der Gerichtsbarkeit über die anderen in Artikel 5 bezeichneten Verbrechen unberührt.
3bis. In Bezug auf das Verbrechen der Aggression findet dieser Artikel nur auf Personen Anwendung, die tatsächlich in der Lage sind, das politische oder militärische Handeln eines Staates zu kontrollieren oder zu lenken.
1. Die «Verbrechenselemente» helfen dem Gerichtshof bei der Auslegung und Anwendung der Artikel 6, 7, 8 und 8bis. …
3. Niemand, der wegen eines auch nach Artikel 6, 7, 8 oder 8bis verbotenen Verhaltens vor ein anderes Gericht gestellt wurde, darf vom Gerichtshof für dasselbe Verhalten belangt werden, es sei denn, das Verfahren vor dem anderen Gericht:
7 AS 2015 3825; 2016 2849; 2017 2893; 2018 3005; 2020 1375; 2022 620; 2025 613. Eine aktualisierte Fassung des Geltungsbereichs ist auf der Publikationsplattform des Bundesrechts «Fedlex» unter folgender Adresse veröffentlicht: www.fedlex.admin.ch/de/treaty .
|
Vertragsstaaten |
Ratifikation |
Inkrafttreten |
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|---|---|---|---|---|
|
Andorra |
26. September |
2013 |
26. September |
2014 |
|
Argentinien |
28. April |
2017 |
28. April |
2018 |
|
Belgien |
26. November |
2013 |
26. November |
2014 |
|
Bolivien |
10. Dezember |
2020 |
10. Dezember |
2021 |
|
Botsuana |
4. Juni |
2013 |
4. Juni |
2014 |
|
Chile |
23. September |
2016 |
23. September |
2017 |
|
Costa Rica |
5. Februar |
2015 |
5. Februar |
2016 |
|
Dänemark a |
1. Januar |
2025 |
1. Januar |
2026 |
|
Deutschland |
3. Juni |
2013 |
3. Juni |
2014 |
|
Ecuador |
25. September |
2019 |
25. September |
2020 |
|
El Salvador |
3. März |
2016 |
3. März |
2017 |
|
Estland |
27. März |
2013 |
27. März |
2014 |
|
Finnland |
30. Dezember |
2015 |
30. Dezember |
2016 |
|
Georgien |
5. Dezember |
2014 |
5. Dezember |
2015 |
|
Guyana |
28. September |
2018 |
28. September |
2019 |
|
Irland |
27. September |
2018 |
27. September |
2019 |
|
Island |
17. Juni |
2016 |
17. Juni |
2017 |
|
Italien |
26. Januar |
2022 |
26. Januar |
2023 |
|
Kroatien |
20. Dezember |
2013 |
20. Dezember |
2014 |
|
Lettland |
25. September |
2014 |
25. September |
2015 |
|
Liechtenstein |
8. Mai |
2012 |
8. Mai |
2013 |
|
Litauen |
7. Dezember |
2015 |
7. Dezember |
2016 |
|
Luxemburg |
15. Januar |
2013 |
15. Januar |
2014 |
|
Malta |
30. Januar |
2015 |
30. Januar |
2016 |
|
Mongolei |
18. Januar |
2021 |
18. Januar |
2022 |
|
Niederlande |
23. September |
2016 |
23. September |
2017 |
|
Aruba |
21. Dezember |
2017 |
21. Dezember |
2017 |
|
Karibische Gebiete (Bonaire, |
23. September |
2016 |
23. September |
2017 |
|
Niger |
14. April |
2023 |
14. April |
2024 |
|
Nordmazedonien |
1. März |
2016 |
1. März |
2017 |
|
Österreich |
17. Juli |
2014 |
17. Juli |
2015 |
|
Palästina |
26. Juni |
2016 |
26. Juni |
2017 |
|
Panama |
6. Dezember |
2017 |
6. Dezember |
2018 |
|
Paraguay |
5. April |
2019 |
5. April |
2020 |
|
Peru |
14. Oktober |
2022 |
14. Oktober |
2023 |
|
Polen |
25. September |
2014 |
25. September |
2015 |
|
Portugal |
11. April |
2017 |
11. April |
2018 |
|
Samoa |
25. September |
2012 |
25. September |
2013 |
|
San Marino |
14. November |
2014 |
14. November |
2015 |
|
Schweden |
26. Januar |
2022 |
26. Januar |
2023 |
|
Schweiz |
10. September |
2015 |
10. September |
2016 |
|
Seychellen |
1. Juli |
2025 |
1. Juli |
2026 |
|
Slowakei |
28. April |
2014 |
28. April |
2015 |
|
Slowenien |
25. September |
2013 |
25. September |
2014 |
|
Spanien |
25. September |
2014 |
25. September |
2015 |
|
Timor-Leste |
30. Mai |
2025 |
30. Mai |
2026 |
|
Trinidad und Tobago |
13. November |
2012 |
13. November |
2013 |
|
Tschechische Republik |
12. März |
2015 |
12. März |
2016 |
|
Ukraine |
25. Oktober |
2024 |
25. Oktober |
2025 |
|
Uruguay |
26. September |
2013 |
26. September |
2014 |
|
Zypern |
25. September |
2013 |
25. September |
2014 |
|
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